Brauberger zu Lübeck

Mitten im Brauhaus stehen Kessel und Bottich in Kupfer. Das 10hl Sudwerk wird vom Inhaber Thomas Rosenhahn persönlich bedient. Es gibt 120hl Lagerkapazität, die Tanks können die 60 Sude im Jahr aufnehmen – Tendenz steigend. Hier spricht auch sonst Einiges für handwerkliche Tradition. Nicht nur die offene Läuterung und das traditionelle Rezept des Zwickels, das naturtrüb und mit seinem niedrigen CO2-Gehalt, den Namen auch wirklich verdient.

Über Allem wacht zudem auch noch Gambrinus, der Sage nach der Sohn des germanischen Königs Marsus, der dem historischen Keller, dem größten Teil des Gastbereiches mit 138 Plätzen, seinen Namen gibt. Das war mit Sicherheit nicht immer so, ist doch das älteste romanische Kellergewölbe der Stadt aus dem Jahre 1225 deutlich älter als die erste namentliche Erwähnung des besagten Königssohns.

Neben einer alten Fassabfüllung und Malzwaage, begeistert der Keller durch stimmungsvolle Kerzenbeleuchtung, einer Rüstung und einem Teil der Stadtmauer von 1450. Vor knapp 600 Jahren war der Keller noch ebenerdig. Der Hügel, der heute die Insel in der Trave bildet ist erst im Mittelalter zu einer Erhebung geworden, „als zu Zeiten der Pest jeder seinen Müll vor die Tür gekippt hat“, klärt Rosenhahn auf.

Als Saisonbier wurde bereits ein Weihnachtsbock gebraut. Nachdem die Fassabfüllung von Holzfässern auf Kegs erweitert worden ist, wird es demnächst Saisonbiere geben. In diesem Bereich ist aber noch nichts Konkretes geplant.

Die Abgabe außer Haus erfolgt in sogenannten „Maurerflaschen“. Das sind 1l Siphons, die im Brauhaus gekauft werden müssen und dann immer wieder im Austausch befüllt werden. Wer mit einer passenden, eigenen Flasche kommt, kann diese auch befüllen lassen, muss aber bis zu einer Woche warten, bis diese durch die Reinigung gegangen ist. Das ist natürlich für den Reisenden in Sachen Bier vollkommen unpraktisch und der Ortsansässige wird selbstverständlich eigene Gebinde im Brauhaus erstehen, um der Wartezeit zu entgehen. Für den geringen finanziellen Mehraufwand (wir sprechen hier ja nicht von 2l-Siphons), hat man dann allerdings ein, unter Gegendruck, sauber abgefülltes Bier.

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