Auf ein Zoigl beim „Lingl“

Sonntag Mittag auf dem Rückweg vom Craft Bier Fest in Wien, Autobahnabfahrt Altenstadt a.d. Waldnaab. Klar hat Windischeschenbach auch eine eigene Abfahrt, aber wir wollten auch noch ein wenig Landstraße durch die sanften Hügel der Oberpfalz mitnehmen bevor wir das tiefste offene Bohrloch der Welt — ignorieren und dafür lieber einen Zoigl trinken.

Ein Blick in den Zoiglkalender verrät uns, dass heute in Neuhaus der Lingl „Dienst“ hat. Nachdem ich mich dem Volkswillen gebeugt habe und mein Auto wieder aus dem absoluten Halteverbot entfernt habe (Spießer!), gab es zur Belohnung einen leckeren Zoigl. Goldgelb, untergärig, schäumend und würzig frisch aus dem eigenen Lagerkeller. IMG_0920 Beim Leberkäs-Wurstsalat und Obatzten mit Brezel sinnierten wir über die Nutzungsrechte des Kommun-Brauhauses und die Anzahl der Schank-Termine. Vor allem, wenn es nur einen Wirt, wie zum Beispiel in Eslarn gibt. Bevor wir uns in Vermutungen verlieren fragen wir den Wirt Klaus Bauer, der uns ausführlich Auskunft über das Kommunbrauwesen in Neuhaus gibt.

Währen dieser anhebt und irgendwas von Landgrafen und dem 13. Dezember 1415 erzählt, schaue ich ihn interessiert an und vergesse das Vorgetragene, weil ich kein Historiker bin und „The Brain“ gerade rauchen ist. Steht alles auf unserer Webseite sagt der „Lingl“, als ich erneut nachfrage weil wir wieder vollständig sind. IMG_0915 Besitzer des Kommun-Brauhauses ist beileibe nicht die Gemeinde, sondern, in Neuhaus, ein Verein. Nutzungsberechtigt sind 25 Grundstücksbesitzer im Ort. Das Braurecht ist an das Grundstück gebunden. Sieben Wirte schenken den Zoigl in ihren Stuben nicht gerade beengten Stuben aus. Jeder Wirt hat ca. 10 Termine im Jahr.

Wir fragen uns, was mit den Stuben in der restlichen Zeit passiert, vergessen aber zu fragen. Das Brauhaus wird über ein Kesselgeld finanziert. Es kann theoretisch jeder Brauberechtigte selber brauen, in der Praxis gibt es aber vier Brauer, die von dem jeweiligen Wirt beauftragt werden. IMG_0910 Aber auch die Brauberechtigten, die keinen Ausschank haben, lassen sich ein- bis zweimal einen Sud brauen und teilen sich diesen zwischen drei bis vier Familien auf. Und weil es ein Verein ist und nichts amtliches, gewähren die Mitglieder einem weiteren Mitbürger, ausnahmsweise und nur einmal im Jahr, das Braurecht weil dieser zur Zeit das Malz zuliefert.

Im Gegensatz zum Vereins-Brauhaus von Neustadt, gehört das Brauhaus im Mitterteich der Gemeinde. So kommt es, dass jeder Grundstücksbesitzer das Braurecht hat. Schade, dass es nur von einem Dutzend Einwohner genutzt wird und in nur vier Zoiglstuben ausgeschenkt wird.  Und das bei immerhin fast 7000 Einwohnern.

Buch:
Der Zoigl – Bierkult aus der Oberpfalz
von Wolfgang Benkhardt

Link:
Zoiglwirtschaften in Mitterteich
Zoigl in Neuhaus

2. Craft Bier Fest Wien

Am 21./22. November fand auf 2000m² in der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrot-Fabrik das 2. Craft Bier Fest Wien statt. Die im Wiener Faltblättchen der Sehenswürdigkeiten, das jeder Tourist an der Hotelrezeption in die Hand gedrückt bekommt, als Loftcity bezeichnete Location, beherbergt auch im Alltag Kunst und Kultur. Dies ist auch an diesem Wochenende nicht anders, nur in flüssiger Form.

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Mehr als 1000 Besucher (wage Angabe aus dem Standard) sahen 71 Brauereien aus 11 Ländern, die aber nicht alle anwesend waren, sondern durch Bierverlage vertreten. Oft waren aber deren Brauer oder Besitzer an den Ständen. Soweit die Zahlen aus den Medien. Ich kann nur Sagen es war voll, aber man konnte sich noch bewegen. Bei der Größe der Halle bleibt noch Luft nach oben. Dann allerdings sollte die Kapazität der Herren-Toiletten erweitert werden.

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An allen Ecken der Halle standen Speidel Gärbehälter mit Wasser zum Spülen der Gläser und zugehörige Eimer zum Entsorgen von Bieren, mit deren Alkohol man sich nicht belasten wollte. (Ich warte noch auf den Moment, an dem jemand den „Cuvée“ probiert.) Die Eimer sollten dann allerdings auch zeitnah ausgeleert werden, weil jeder den Inhalt seines Glases noch auf den überlaufenden Behälter kippt. Ich auch. Sieht ja auch blöd aus, wenn man den Inhalt einfach auf den Boden schüttet.

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Das Nordbier-Gebiet wurde durch Spent Brewers Collective (mit dem sensationellen 1312), Flying-Turtle und Bieren von Schoppebräu vertreten.

Eyecatcher war das Theken-Fahrrad von Dan Stein. Die Idee des Flying Turtle CEO hinter der mobilen Theke ist der direktere Kontakt mit dem Kunden, da die Barriere der klassischen Theke entfällt. Mit Musik aus dem Verstärker im Kühlergrill wird die Aufmerksamkeit für das Fossil noch verstärkt. Warum Fossil? Weil die Schildkröte für Dan Stein das deutsche Bier widerspiegelt. Eine Symbiose aus etwas Alten und etwas Guten, dass lange Überlebt hat und doch ein bisschen Steif ist.

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Spent Brewers Collective konnte nach lösen einer „Hopfen-Ver-Stopfung“ in der Zapfanlage, doch noch mit allen Bieren an den Start gehen. Also beim nächsten Mal ein Hopfensäckchen verwenden! :-) Sensationell und eines meiner vier Lieblingsbiere des Festivals, ist das 1312 Herbst Gruit. Mit dem Wegerich schmeckt es zwar wie Hustensaft, aber wie ein richtig leckerer.

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Die Anderen waren das Hanfbier von Brauschneider, weil es nicht diese dumpfen, staubigen Aromen anderer Hanfbiere hat, sondern spritzig und erfrischen zitrus-aromatisch schmeckt. Auch der ausgedehnte Vortrag über den historischen Bierstiel war informativ und anregend.

Sehr lecker war auch die Gose der Brauwerk, gebraut von Martin Simon. Brauwerk ist die Craftbeer-Brauerei der Ottakringer, die mit ihrem kleinen 10hl Sudwerk verkaufbare Mengen produzieren können, die mit einem 450hl Sudwerk der Mutter-Brauerei unverkaufbar wären.

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Als Gose-Fan  habe ich natürlich auch die Power-Gose von Günther Thömmes unter die Besten gewählt. Der erste Auftritt des Bieres in der Öffentlichkeit war ein voller Erfolg. Nicht nur in meinen Augen.

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Die Top 5 werden durch das Backbone-Splitter vervollständigt, das ich deutschen Craftbeer-Fans nicht weiter vorstellen muss. Christian Hans Müller wird es ja gemerkt habe, dass ich alle Besucher, die mich nach meinen Lieblingsbieren des Festivals gefragt haben, vor seinen Zapfhahn geschoben habe.

Noch ein paar Links:

Trailer für den Film zum Fest

Beitrag auf ProBIER.at

Film von ProBIER.at

Fotos in der Wiener Zeitung

Artikel im derStandard.at

Beitrag aus ORF Heute Leben

Schöntrinken.at

 

 

 

 

Brauhaus Lüdde – Quedlinburg

Mitten dem größten zusammenhängenden Fachwerk-Gebiet Europas liegt das Hotel und Brauhaus Lüdde. Im Gastraum befindet sich die Brauanlage – ich habe nicht gefragt, ich tippe aber mal auf 15-20hl – angrenzend und aus dem Gastraum sichtbar, Gär- und Lagerräume.

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Der Gastraum ist ein, in Industrie-Architektur designter überdachter Innenhof und gliedert sich in einen Sitzbereich, verschiedene Stehtische an der Bar und an der Brauanlage und eine Empore.
Die Getränkekarte beinhaltet drei Biere die ständig am Hahn sind sowie verschiedene Saison-Biere von denen aber zum Zeitpunkt meines Besuches keines verfügbar war.
Das zweifelhafte Vergnügen den so genannten „Pubarschknall“ ein Chemie-Braunbier mit 1% Alkohol, zu trinken hatte ich schon bei einem früheren Besuch. Wer einen Bier so einen bekloppten Namen gibt, der kippt auch Farbstoff und Saccharin rein. Ich bin ja kein Freund des Reinheitsgebot es, aber natürliche Zutaten sollten es dann schon sein!
Bei diesem Besuch probierte ich das Schwarzbier, was durchaus trinkbar war, aber kein sensationelles Aroma hatte, dafür aber wieder so einen Fäkalnamen, den es nicht wert war sich zu merken.
Lecker und empfehlenswert war das angebliche Pilsener. Ein naturtrübes, gut gebittertes, niedrig gespundetes Bier, mit nussigem Charakter, dass in meinen Augen ein Kellerbier ist.
Meine Empfehlung: Wer schon vor dem Brauhaus steht, sollte einmal hineingehen um einen Pilsener zu trinken, dafür aber extra hin zu fahren ist die Mühe nicht wert.