Kategorie-Archiv: Craftbiere

Aussicht Braukunst live 2016

Morgen ist es wieder so weit. in München findet die BKL2016 statt. In diesem Jahr gibt es einige Änderungen zu den letzten Jahren. Das wichtigste ist der Wegfall der Biermarken. An den Ständen wird direkt mit Bargeld bezahlt. Wer noch Biermarken von 2015 hat, kann mit denen aber im Shop bezahlen.

Viele deutsche Craft-Brauer sind nicht mehr mit eigenen Ständen auf der BKL vertreten. Der Handler „One Pint“ hat aber einen großen Stand, auf dem einige Brauer tageweise anzutreffen sind. Alexander Herold und Oliver Wesseloh leiten eine Masterclass.

Überhaupt sind die Masterclasses wie immer ein Muss, ein Moment der Ruhe und Erholung für die Beine.

Vielleicht gibt es ja auch wieder einen neuen Rekord bei den Besucherzahlen. In den letzten Jahren sah es ja ganz gut aus: 2015 – 8.500; 2014 – 6.400; 2013 – 5.300; 2012 – 3.100. Da könnte natürlich das offenbar recht sonnige Wetter am Wochenende in München einen Strich durch die Rechnung machen. Auf der anderen Seite steht man dann aber im Trockenen vor den Toiletten-Häuschen an.

Alle, die wie ich das Wort Reinheitsgebot nicht mehr hören können und die es auch noch nie interessiert hat, werde gute Nerven haben müssen, da es wohl (auch laut Pressemitteilung) allgegenwärtig sein wird. Na ja Ohren zu und durch.

Ich wünsche allen viel Spaß und allzeit ein glyphosat-freies Bier in der Hand.

Mehr Infos gibt es unter:

http://www.finest-spirits.com/braukunst-live/

Sehr zu empfehlen:

http://www.maennerabend.info/maennerabend-vorschau-auf-die-braukunst-live-2016-in-muenchen/

 

Martfelder Hausbräu -Braggot

Ich bin heute auf unserem Hannöverschen Hobbybrauer-Stammtisch im Brauhaus Ernst-August. Mein Bier des Tages ist klar das Braggot vom Martfelder Hausbräu. Martfeld ist vier Kilometer vom Schwerpunkt Niedersachsens entfernt. Torsten braut sonst nur nach dem sogenannten RGH (ja ich habe ein orangenes Buch gelesen 😂); aber jetzt macht er ernst und hat ein superleckeres Braggot mit zum Treffen mitgebracht. Leichter Kaffee und Trockenfrüchte in der Nase und Karamell und Pflaume am Gaumen. Leicht säuerlich und ein Hauch von Rauch. Also ich habe schon fünf Liter-Flaschen geordert! 😇 Cheers. 

Hütt Craft Beer Edition

Ende September hat nun auch die Hütt Brauerei aus Nordhessen den Versuch unternommen in die Craft Bier Szene einzusteigen. Die kleine Brauerei aus Baunatal bei Kassel betreibt die Gasthausbrauerei Knallhütte in der sie 1752 gegründet wurde. Erste Craft-Schritte wurden in der Brauwerkstatt in Melsungen unternommen. In der zuvor übernommenen Malsfelder Brauerei mit Biermuseum wurden 2012 der Weizenbock und der Äquator gebraut, die ich 2013 erstmals auf der Grünen Woche in Berlin probieren konnte. Nun wurde das Sortiment um ein Pale Lager erweitert und als Craft Edition auf den Markt gebracht. Alle drei gibt es in 0,33l oder 0,75l Flaschen solange der Vorrat reicht.

„Bier mit Charakter“ steht drauf und ich frage mich ketzerisch ob die anderen Biere der Brauerei damit nach deren Selbsteinschätzung keinen Charakter haben? Nein, böse, natürlich haben sie. Das helle Hefe-Weizen ist ein leckeres und (jetzt wird es peinlich) besonders charaktervoll ist dessen alkoholfreies Pendant, bei dem nach meiner Meinung Citra im Spiel gewesen sein muss.

Aber zurück zur Craft Beer Edition:

Hütt Craft Edition

Der sehr vollmundige helle Weizenbock 1838 ist etwas für den Fan des mächtigen, extrem vollmundigen, ein wenig mastigen Bieres. Also nicht für mich. Das kann man schon an den 2,3°P Restsüße ablesen, bringt es doch ein Vitus bei gleichem Stammwürzegehalt auf gerade einmal 1,1°P unvergorenen Extrakt.

Dafür ist das Lenchens Ale genau mein Ding. Wenn mich auch der Name zuerst etwas irritiert hatte, ist es doch ein untergäriges kaltgehopftes. Die, durch hohe Gärtemperaturen gestresste Lagerhefe hat aber für ale-typische Gärnebenprodukte gesorgt und damit florale und fruchtige Noten ins Bier gebracht. Zusammen mit dem Citra in der Kalthopfung, ergeben sich Mango- und Maracuja-Noten. Trotz Lagerhefe hat sich Lenchens Ale einen Rest Körper bewahrt, der sich mit dem Hopfenaroma zu einer wunderbaren Komposition verbindet.

Zum Äquator will ich mich nicht zu sehr auslassen, weil ich nicht weiß, ob die Flasche, die ich gerade getrunken habe eine Infektion hatte oder ob die kratzige, harzige Kräuternote Absicht ist. In diesem Fall wäre die Hopfenkombination ein Griff ins Klo, wobei ich mir das bei Cascade und Mandarina-Bavaria nicht vorstellen kann. Charakteristisch ist der Geschmack aber auf jeden Fall. 😉

 

 

 

Jopen – Koyt Gruitbier

Das Koyt (auch Keute, Keut, Koit oder Coyte) entstand wahrscheinlich in Holland im 14. Jahrhundert und verbreitete sich bald im nordwesteuropäischen Tiefland wo es als Vorläufer des Alt-Bieres gilt [1]. Es besteht in diesem Fall aus Gersten- und Weizenmalz und Hafer-Rohfrucht. Das Jopen Koyt ist ohne Hopfen gebraut und  schmeckt nach Kräutern, in denen der Gagel (Myrtica gale) dominiert. Dieses moorboden- und lichtliebende Gewächs ist in Deutschland geschützt, was offenbar in den Niederlanden, bestimmt aber in Dänemark, nicht der Fall ist.

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Das 8,5%ige Gruitbier ist sehr vollmundig und schwer und eignet sich auf Grund der fehlenden Bitter sicherlich gut zu Dessert und Kuchen. Noch besser, aber zu einem Kaminfeuer und einem guten Buch.

Tatsächlich würde ich das Koyt mit 8°C, für ein so hochalkoholisches Bier, recht kühl trinken, da sonst die Malzaromen zu dominant werden und der Gagel nicht mehr so schön heraus kommt.

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[1] Die Biersorten der Brauwelt, Horst Dornbusch, 2014, S. 158